Teil I: Strahlenbiologie und Strahlenschutz
Durch den Einfluß der Zivilisation ist in Bezug auf die durchschnittliche Belastung des Menschen bereits ein beachtlicher Anteil natürlicher und künstlicher Radioaktivität (bis über 100%) hinzugekommen. Hier stehen vor allem Anreicherungen in Baumaterialien, Bergbau, medizinische Anwendungen, Kernenergie und weltweite Kernwaffenversuche im Vordergrund. Die wichtigsten Beiträge ionisierender Strahlung werden verursacht durch:
Sie stellt eine sehr energiereiche elektromagnetische Strahlung dar. Diese Strahlungsart dringt tief in das Körpergewebe ein und hat in der Luft eine Reichweite von einigen hundert Metern.
Radon (Rn-222) ist ein radioaktives Gas und ein starker Alphastrahler. Es entweicht aus bestimmten radioaktiven Materialien (Boden, Baumasse) und reichert sich schnell in der Innenraumluft an.
Die derzeit überwiegend aus natürlichen Quellen stammende Strahlenexposition setzt sich aus der äußeren und der inneren Exposition zusammen. Die äußere Einwirkung durch radioaktive Erdstrahlung wird im wesentlichen durch die Gammastrahlung des natürlichen Strahlers Kalium (K-40) und der Zerfallsreihen des Radium (Ra-226) und Thorium (Th-232) verursacht. Bei der inneren Aufnahme überwiegt der Anteil des radioaktiven Gases Radon über die Luft. Kalium sowie die zahlreichen radioaktiven Folgenuklide der natürlichen Zerfallsreihen von Radium und Thorium werden auch über das Trinkwasser und die Nahrung aufgenommen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gibt für das Jahr 1997 nachfolgende Statistik über die mittlere radioaktive Strahlenbelastung der deutschen Bevölkerung heraus. Es handelt sich hierbei um Mittelwerte, die jedoch relativ großen regionalen und individuellen Schwankungen unterliegen. Die Gesamtbelastung betrug demnach insgesamt durchschnittlich 4 mSv/a und war zu 60 % auf natürliche und zu 40 % auf künstliche Strahlenquellen zurückzuführen.
Durch Anreicherungen natürlicher Radioaktivität (Erdstrahlung) in Baumaterialien kommt es in vielen Häusern und an Schlafplätzen zu einem erheblich höheren Anteil an Gammastrahlung, als in der natürlichen Umgebung vorzufinden ist. Ausgehend von einem in deutschen Wohnräumen zu messenden Mittelwert von ca. 50 Bq/m3 (Becquerel pro Kubikmeter) Radon in der Raumluft berechnet sich, daß der Körper zu 35% allein durch dieses radioaktive Gas belastet wird. In etwa 1-2% der deutschen Wohnungen können bereits weit höhere Radonwerte im Mittel über 250 Bq/m3 gemessen werden. Als Handlungsspielraum für eine effektive Reduzierung der radioaktiven Dosis im Wohnbereich ist in erster Linie die Baumasse und die Luftqualität zu nennen, um die ionisierende Strahlenbelastung so gering wie möglich halten zu können. Zu Einzelheiten in Bezug auf individuelle Einflußgrößen und geeigneter baubiologischer Messtechnik sei auf den Folgebeitrag Umweltradioaktivität, Teil II im Heft 95 von Wohnung und Gesundheit hingewiesen. Zunächst zu den aktuellen Erkenntnissen der Strahlenbiologie und des Strahlenschutzes auf nationaler und internationaler Ebene.