Bistum Würzburg und München:
Ängste in der Bevölkerung / Schaden für Tiere
aus MAIN POST vom 28.8.98 und Schwäbisches Tageblatt vom 17.7.98
Im Bistum Würzburg stoßen die Mobilfunkbetreiber auf wenig Gegenliebe. Das Bauamt verweigert die Zustimmung für die Errichtung von Sendeanlagen auf Kirchen. Die Diözese: „Wir sind strikt dagegen, solange keine gesicherten Erkenntnisse über die biologischen Wirkungen der elektromagnetischen Strahlung von Sendern vorliegen.“
Sendeanlagen gehören nicht in Wohngebiete, meint Diözesan-Baumeister Jürgen Schädel. Das biologische Risiko für Mensch und Natur sei unzureichend erforscht. „Wir wissen zu wenig über die Gefahr, sowohl bei Menschen, die in der Nähe von Sendern leben, als auch bei Tieren, z.B. Fledermäusen, Schleiereulen und Falken, die unter dem Dach der Kirchtürme hausen und hier starker Strahlung ausgesetzt werden.“ Außerdem sei das mit der religiösen Bedeutung von Kirchen nicht vereinbar. Es ginge um sakrale Bauten, die auf Gott verweisen. Kirchtürme als Masten für Sendeanlagen zu nutzen, hieße diese abzuwerten.
Auf Gefahren für die Gesundheit, die von diesen Funkanlagen ausgehen können, verweist auch der Umweltbeauftragte der Diözese, Edmund Gumpert: „Wir warten, bis die Forschung sicher ist. Wir nehmen die Ängste der umgebenden Bevölkerung ernst. Mit unserem Eintreten für das Leben und die Bewahrung der Schöpfung machen wir uns unglaubwürdig, wenn wir solche Sendestationen ohne solide Einschätzung des möglichen Risikopotentials zulassen. Der immaterielle Schaden wäre dann größer als der materielle Nutzen. Immer mehr Bistümer und Gemeinden in ganz Deutschland verweigern der Mobilfunkindustrie den Sendeplatz auf ihren Türmen und Dächern.“
Auch im Kreis Tübingen sagte man „Nein!“ zu Mobilfunksendern an Kirchtürmen oder kircheneigenen Gebäuden. In Dettenhausen, Mähringen und anderen Gemeinden waren der Schutz der Bevölkerung und brütende Turmfalken wichtiger als Mieteinnahmen. Die Kirchen hätten die Pflicht, Schaden von der Schöpfung fernzuhalten. Schaden könnten die Betreiber aber nicht ausschließen.
Im Erzbistum München-Freising sind 2000 Kirchtürme für Mobilfunkstationen tabu. Kardinal Friedrich Wetter: „Die Wirkungen von Elektrosmog sind zwar noch nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen, doch sollte man negative Folgen für die Gesundheit, die durch solche Funkanlagen verursacht werden könnten, von vornherein vermeiden.“ Andere technische Einrichtungen sind willkommen: So wurde in Traunstein auf dem Turm der Pfarrkirche St. Oswald die erste Photovoltaikanlage zur alternativen Energienutzung auf einem Gotteshaus installiert.
Autor : WOLFGANG MAES, NEUSS; Baubiologe
Dipl.-Ing. Hansmartin Kirschmann
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