Überblick über den Stand der aktuellen Diskussion
Bisher sind 200 Schimmelpilzarten bekannt, die unter bestimmten Bedingungen Toxine bilden können. Die Auswirkungen von Mykotoxinen in Lebensmitteln werden seit langem untersucht. Bis zur Entdeckung der Aflatoxine galt das Augenmerk den akut toxischen Effekten der Mykotoxine. Später wurden auch ihre chronischen Wirkungen und das krebserregende (kanzerogene) Potential untersucht. So wurden durch epidemiologische Studien in Afrika und Südostasien ein Zusammenhang zwischen Aflatoxinaufnahme mit der Nahrung und dem Auftreten von Leberkrebs bewiesen. Es gibt aber nur sehr wenige Studien bezüglich der gesundheitlichen Risiken durch Inhalationsbelastungen bei Menschen insbesondere in Innenräumen, Wohnhäusern und Büros.
Die meisten Mycotoxine sind nicht flüchtig, weshalb deren Aufnahme über die Lunge größtenteils über die Inhalation der Sporen erfolgt. Sie treten an Arbeitsplätzen mit sehr hohen Konzentrationen an organischem Feinstaub auf.
Für toxische Reaktionen, die bei mycotoxinbildenenden Schimmelpilzen in sehr hohen Sporenkonzentrationen (>108 KBE/m3 ) beobachtet werden, ist auch der Begriff Mykotoxikose gebräuchlich.
Die toxische Alveolitis ist eine grippeartige akute Erkrankung mit den Symptomen Fieber, Schüttelfrost, Husten und Kurzatmigkeit, die klinisch der akuten Phase der allergischen Alveolitis ähnelt. Das Krankheitsbild wurde erstmals 1946 als Drescherfieber beschrieben.
Bei Sprühbefeuchtungen in Klimaanlagen und Druckereien (Papierbefeuchtung) kann das Befeuchterfieber auftreten.
Diese Erkrankungen werden durch Mykotoxine aus Schimmelpilzen und Endotoxinen aus gramnegativen Bakterien hervorgerufen, indem sie das Immunsystem zur vermehrten Zytokinbildung (Zytokine=aktivierende interzelluläre Mediatoren) stimulieren. (Senkpiel et al.1999)
Nach heutigen Erkenntnissen kommt es auch bei vielen Rezidiven nicht zu einer irreversiblen Einschränkung der Lungenfunktion wie bei der exogen-allergischen Alveolitis (EAA) (Sennekamp 1996)
Einige Studien befassen sich mit dem Toxinbildner Stachybotrys atra. S. atra produziert Trichothecene. Trichothecene gelten als die potentesten Proteinsyntheseinhibitoren. Ihr Einsatz in der Krebsbehandlung wurde ebenso untersucht wie die Verwendung in der chemisch-biologischen Kriegsführung.
In der Hauptsache wirken die Trichothecenes-Stoffe im den menschlichen und tierischen Organismus auf das Immunsystem, die Blutbildung und Zellen, die unmittelbar mit unserer Umwelt in Verbindung stehen. In der alten Literatur wurde die Wirkung mit der “Strahlenkrankheit” verglichen:
Folgende unspezifische gesundheitliche Beschwerden werden bei Schimmelpilz-exponierten Patienten beschrieben (Johanning 1998):
Zielorgane bzw. Systeme:
Abhängig von der Dosis, Häufigkeit und Zeitpunkt der Trichotheceneexposition kann das Immunsystem entweder stimmuliert oder können wichtige Immunitätsregler gestört oder gehemmt werden. Die Mykotoxine können direkte oder indirekte Wirkungen auf Teile des Immunsystems haben. Eine wichtige Zielwirkung scheint die Störung der T-Lymphozyten zu sein, insbesondere die der Suppressor-T-Lymphozyten (CD8). Wiederholte, auch in geringen Dosen erfolgende Toxinexposition bewirkte eine Verrringerung der T-Zellen, B-Zellen und Makrophagen sowie der Neutrophilen (weiße Blutkörper).
Die Trichothecen-Mykotoxine sind nicht hinreichend erforscht, um eine definitive Aussage bezüglich der krebserregenden bzw. -fördernden Wirkung zu treffen (Johanning 1998)
In einigen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, daß Bewohner und Angestellte nach intensivem und langem Schimmelpilzkontakt verursacht durch Wasser- und Feuchtigkeitsschäden ein nachweislich erhöhtes Risiko haben (Husmann 1996; Reijula 1996, Björnson et al. 1995, Johanning et al. 1996, Garret et al. 1998).
Als typische Erkrankungen sind zu nennen: Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege, Rhinitis, Sinusitis, Laryngitis, Bronchitis, Alveolitis; Reizerscheinungen in den Augen und auf der Haut; erhöhte Infektanfälligkeit, chronischer Erschöpfungszustand (chronic fatigue syndrome) und Allergien. Es gibt auch Hinweise darauf, daß es bei einigen immungeschwächten Individuen, sehr jungen und alten Menschen zu sehr ernsten u.U. auch tödlichen Erkrankungen kommen kann.
Bestimmte Schimmelpilze, wie zum Beispiel Stachybotrys atra, Aspergillus spp., Penicillium spp., Trichoderma, Paecilomyces können sehr potente Giftstoffe (Mykotoxine) produzieren (Ueno 1983, Hendry und Cole 1993). Diese sind hauptsächlich in den Sporen enthalten und können unter bestimmten Umweltbedingung leicht luftgängig (airborne) werden und zu einer signifikanten Luftkontaminierung beitragen (Sorenson et al 1987). In neueren klinisch-epidemiologischen Untersuchungen und Fallbeschreibungen werden nun auch Zeichen einer inhalationsbedingten Intoxikation beschrieben (Hintikka 1987; Hendry und Cole 1993; Johanning, Morey, Goldberg 1993; Auger, Gourdeau und Auger 1995, Johanning 1998)
Dipl.-Ing. Hansmartin Kirschmann
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