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Kirschmann Baubiologie
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Gesundheitliche Auswirkungen von Schimmelpilzen in Wohnräumen

Überblick über den Stand der aktuellen Diskussion

  


 6.3.1. Studie von Auger

Der Zusammenhang zwischen neurotoxischen Symptomen und dem Vorhandensein von toxinbildenden Schimmelpilzen war Gegenstand von Untersuchungen, die von Auger (1995) zusammengefasst wurden. Diese Berichte basieren auf „soft data“, eine epidemiologische Analyse ist aufgrund der Datenlage nicht möglich. Hieraus ein Beispiel:

50 Angestellte eines Krankenhauses litten unter folgenden Symptomen

  • extreme Müdigkeit und schwere kognitive Störungen - 100%
  • Neurokognitive Probleme - 90%
  • Chronische Halsentzündung - 78%
  • Muskelschmerzen und/oder –Schwäche - 74%
  • Häufige Infektionen der oberen Atemwege - 50%

Mehrfache Oberflächen- Luftprobenuntersuchungen auf Schimmelpilze ergaben das Vorhandensein von Stachybotrys atra, Aspergillus niger, A. versicolor, A. Clavatus, A. Ochraceus, Penicillium brevicomp, P. Cyclopium, Paecilomyces varioti.

Nach Dekontamination wurden 22 verfügbare Teilnehmer der Studie nachuntersucht. Ergebnis:

  • 2 hatten sich nicht erholt
  • 2 fühlten sich etwas besser
  • 13 fühlten sich sich 80 bis 100% genesen
  • 3 führten ihre Symptome auf Stress zurück
  • 2 hatten jetzt eine andere Diagnose

 6.3.2. Fallbeispiele Privatwohnungen:

Anhand von “Hausbesuchen” eines Arbeits- und Umweltmediziners in verschiedenen geographischen Teilen der USA sollen vielleicht zunächst “mysteriös” erscheinende Erkrankungen und gesundheitliche Störungen von Hausbewohnern untersucht und dargestellt werden (Johanning 98):

Ziel der Felduntersuchungen:

  • Erfassung von Gesundheitsbeschwerden und Erkrankungen
  • Ermittlung der Exposition (Belastungen durch Schimmelpilze oder anderen Noxen)
  • Medizinische Laboruntersuchungen

Fall 1: Northern California.

Vierköpfige Familie in einem Apartmenthaus (Holz/Gipswände) überwiegend mit Symptomen der Hautreizungen, Grippe ähnlichen Beschwerden, schweren Erschöpfungszuständen, Gedächtnisstörungen, Reizzuständen/Nervosität. Beschwerden über mehrere Monate zunehmend. Labortest positiv für IgE und IgG spezifische Antikörper gegen mehrere Schimmelpilzarten, die auch in den Luftprobenkulturen Vorort festgestellt wurden.

Luftproben mit Impaktor:

Stachybotrys atra (St. a.), Aspergillus (ASP), Penicillium (PNC), Cladosporium; Luft-Keimgehalt: von 447 bis >4711 KBE/m3.

Gipskartonplatte (gypsum board): 4130000 KBE/g , Stachybotrys chartarum (”thick heavy mate”), PNC, A. versicolor, Ulocladium, Acremium. Elektronenmikroskopische Bestimmung (M.G.): St. a., Scopulariopsis spp., Fusarium, A. nidulans, Alternaria.

Fall 2: Midwest (Chicago):

Vierfamilien Haus (Holz/Gipsmaterialien). Erwachsene und Kinder klagen über neu aufgetretene und sich verschlimmernde Allergien, Atemwegserkrankungen (Laryngitis, Sinusitis, chronischer Reizhusten, Engegefühl in der Brust, Atemnot bei körperlicher Anstrengung), Kopfschmerzen, Schwindelgefühl. Ein Großteil der Symptome traten auf, nachdem das Haus wegen eines defekten Abflußrohres ca. 30 cm unter Wasser stand. Danach entwickelten sich an den unteren Wänden (Gipskarton) und den Fußleisten (Holz) deutlich sichtbare dunkelfarbige Veränderungen. Labortest positiv für IgE und IgG spezifische Antikörper gegen mehrere Schimmelpilzarten, die auch in den Luftprobenkulturen vor Ort festgestellt wurden

Luftproben mit Impaktor:

S. atra in 3 von 20 Proben, ASP, PNC, Chaetomium, Ulocladium, Luft-Keimgehalt: von 269 bis >2827 KBE/m3.

Fall 3: Ostküste, USA:

Einfamilienhaus (Holz/Gips/Glaswolledämmaterialien). Wiederholter Wetterschaden führt zu massivem Wassereinbruch mit Durchnässen von Dach- bis Kellerbereich). Der Hauseigentümer, der Reparaturen selbst durchführte klagt seither über schwere Rhinitis/Sinusitis-Komplikationen, Beschwerden der oberen und unteren Atemwege (Atemnot bei Belastung, Brenngefühl, Reizhusten, Brustenge), Augen- und Sichtstörungen und besonders über schwerste Erschöpfungszustände und Mattigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen - die zur Berufsaufgabe führten -, als auch über depressive Verstimmungen. Klinische Untersuchungen bestätigen insbesondere fortgeschrittene entzündliche Veränderungen in den oberen Atemweg- und Stirnhöhlenbereichen und neurologisch-kognitive Defekte (besonders bei der Sprache und Gedächtnisfunktionen).

Luftproben mit Impaktor:

Stachybotrys a. in allen Kulturproben; ASP, PNC, Cladosporium, Trichoderma. Luft-Keimgehalt: 600 - > 4711 KBE/m3.

Mykotoxinanalyse der Feldproben:

Alle Feldproben aus den Problemhäusern (Gypsum-wallpaper, Holz) von Fall 1 und Fall 2, die mit St. a. und anderen Schimmelpilzen (s.o.) kontaminiert waren, zeigten in Zellkultur - Screeningtests hoch zytotoxische Reaktionen im Vergleich zu nicht-kontaminierten Proben.

Fall 3: Proben aus unterschiedlichen Räumen und Materialien (Gipskarton, Glaswolle). Mit S. atra u.a. kontaminierte Proben zeigten im Screeningtest stets, wenn auch unterschiedliche Zytotoxizität im Vergleich mit den nicht-kontaminierten Baumaterialien. In der chemischen Analyse wurden in neun von 12 Proben makrozyklische Trichothecene (Satratoxin H) und in allen Proben Stachybotrylactone/lactams in z.T. unterschiedlicher Konzentration nachgewiesen.


Dipl.-Ing. Hansmartin Kirschmann
VDB-zertifiziertes Ingenieurbüro
Aichelestr. 9
70599 Stuttgart
Tel: 0711-23607-80
Fax: 0711-23607-82

Initiativen:
Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e.V.
Baubiologische Beratungsstelle IBN-autorisiert
Verein Deutscher Ingenieure VDI e.V.
Institut der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute AGÖF e.V.
Deutsche Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie DGUHT e.V.