Während anorganische Flammschutzmittel festgebunden im Material vorliegen, kann der Einsatz von organischen Flammschutzmitteln zu erheblichen Kontaminationen von Innenräumen über die Raumluft und den Hausstaub führen. Beispiele sind das Tris(2-chlorethyl)phosphat (TCEP) und das Tris(monochlorpropyl)phosphat (TCPP). Sie finden Einsatz in PU-Schäumen, Farbanstrichen und Tapeten. Neben den beschriebenen Reizwirkungen ist diese insbesondere problematisch weil TCEP mittlerweile in Deutschland als krebserregend (K2) eingestuft ist [19].
Ein weiterer Phosphorsäureester der in Innenräumen von Relevanz ist, ist das Tris(2-butoxyethyl)phosphat (TBEP), das in rutschhemmenden Fußbodenpflegemitteln eingesetzt wird. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass chlorierte Organophosphonate in Innenräumen ebenfalls eine relevante Rolle spielen können [20].
Phthalate werden als Weichmacher in Kunststoffen, insbesondere in Weich-PVC, in großen Mengen seit über 40 Jahren verwendet. Weltweit werden jährlich mehrere Millionen Tonnen Phthalate produziert. Weitere Verwendung finden Phthalate in Lacken, Klebstoffen, in der Kosmetikindustrie sowie im medizinischen Bereich. Aufgrund des weiten Anwendungsgebiet sind sie mittlerweile in allen Wohnräumen nachweisbar (Hausstaub und Raumluft). Hauptquellen für Innenraumluftbelastungen dürften in der Regel PVC-Fußbodenbeläge und ’Vinylschaumtapeten’ sein. Gesundheitliche Auswirkungen werden seit Jahren diskutiert. Verdachtsmomente bestehen für zentralnervöse Effekte, Störungen des Immunsystems und Fortpflanzungsstörungen. Weiterhin gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Phthalate hormonähnliche Wirkungen im Körper verursachen. DEHP ist von der amerikanischen Umweltbehörde EPA als wahrscheinlich beim Menschen krebserregend eingestuft (Gruppe B2). Eine Übersicht findet sich in [21].
Phthalsäureanhydrid. gehört zu den technisch wichtigsten aromatischen Verbindungen, z.B. bei der Synthese von Alkydharzen, ungesättigten Polyesterharzen, Lacken, Kunststoffen oder Phthalat-Weichmachern. Bei höheren Konzentrationen zeigt es Reizwirkung auf Augen, Haut und Schleimhäute wobei die Gefahr der Sensibilisierung besteht, weshalb es zu den relevanten Innenraumallergenen gehört [22].
[19] G. Ingerowski, A. Friedle und J. Thumulla: Chlorinated Ethyl and Isopropyl Phosphoric Acid Triesters in the Indoor Environment - An Inter-Laboratory Study, in Indoor Air 2001 11: 145-149.
[20] T. Haumann: Chlorierte Organophosphonate als Weichmacher und Flammschutzmittel, in AGÖF 2001.
[21] P. Braun u. D. Marchl: Weichmacher in Innenräumen, AGÖF 1993.
[22] M. Fischer u. F. Diel, Das Allergiker-gerechte Öko-Haus, in AGÖF 2001.
Dipl.-Ing. Hansmartin Kirschmann
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